Der weltweite Markt für biobasierte Kunststoffe entwickelt sich dynamisch. Laut dem aktuellen Report „Bio-based Building Blocks and Polymers - Global Capacities, Production and Trends 2025–2030“ der internationalen Biopolymer-Expertengruppe des Nova-Instituts wird die globale Produktionskapazität bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund elf Prozent steigen. Besonders Europa und Nordamerika gewinnen dabei an Bedeutung.
Produktionskapazitäten für biobasierte Kunststoffe steigen deutlich
Im Jahr 2025 lag die weltweit installierte Produktionskapazität biobasierter Polymere bei 5,1 Millionen Tonnen, die tatsächliche Produktion bei 4,5 Millionen Tonnen. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 8,5 Millionen Tonnen erwartet. Damit wächst der Markt für biobasierte Kunststoffe deutlich schneller als die fossile Polymerproduktion, die lediglich um zwei bis drei Prozent pro Jahr zunimmt. Der biobasierte Anteil an der gesamten Kunststoffproduktion liegt aktuell bei etwa einem Prozent. Bis 2030 dürfte dieser Wert auf rund zwei Prozent steigen.
Nicht biologisch abbaubare Polymere dominieren
Rund 58 Prozent der installierten Kapazitäten entfallen auf biobasierte, nicht biologisch abbaubare Polymere, während 42 Prozent auf biologisch abbaubare Varianten entfallen. Die Auslastung nicht abbaubarer Materialien liegt mit 90 Prozent deutlich höher als bei abbaubaren mit 81 Prozent. Besonders starkes Wachstum wird für:
- Polypropylen (PP)
- Polyethylenfuranoat (PEF)
- Polyhydroxyalkanoate (PHA)
erwartet. Auch PLA und biobasierte Polyurethane entwickeln sich stabil.
Regionale Verschiebungen im Markt
Asien bleibt 2025 mit 55 Prozent Marktanteil führend. Allerdings werden Europa und Nordamerika ihre Position deutlich ausbauen. Beide Regionen profitieren von neuen Großinvestitionen in Produktionsanlagen. Bis 2030 könnten sie gemeinsam rund 38 Prozent der globalen Kapazitäten stellen. Für Europa wird ein Kapazitätswachstum von rund 20 Prozent CAGR prognostiziert. Treiber sind neue Anlagen für PE, PLA und PP.
Biomassebedarf bleibt gering
Trotz des starken Wachstums bleibt der Ressourcenbedarf vergleichsweise niedrig. Für die Produktion von 4,5 Millionen Tonnen biobasierter Polymere werden 3,6 Millionen Tonnen Biomasse benötigt. Dies entspricht lediglich 0,016 Prozent der weltweiten Landnutzung.
Wichtigste Rohstoffe sind:
- Zucker (25 Prozent)
- Stärke (22 Prozent)
- Glycerin als Nebenprodukt der Biodieselherstellung (28 Prozent)
- Zellulose und Pflanzenöle
Damit bleibt der Anteil biobasierter Kunststoffe am globalen Biomasseeinsatz marginal.
Politische Rahmenbedingungen als Schlüssel
Laut Nova wird der langfristige Erfolg biobasierter Kunststoffe stark von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängen. In Europa spielen insbesondere die Richtlinie über erneuerbare Energien (RED), die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) sowie die neue Bioökonomie-Strategie eine zentrale Rolle. Ziel ist es, fossilen Kohlenstoff schrittweise durch erneuerbaren Kohlenstoff aus Biomasse, CO2-Nutzung und Recycling zu ersetzen. Dieser strukturelle Wandel gilt als entscheidend für die Defossilisierung der Chemie- und Kunststoffindustrie.
Breites Anwendungsspektrum für biobasierte Kunststoffe
Biobasierte Polymere sind heute in nahezu allen Marktsegmenten vertreten. Die wichtigsten Anwendungen 2025:
- Fasern: 28 Prozent
- Verpackungen: 21 Prozent
- Funktionale Anwendungen (z. B. Epoxidharze, PUR): 17 Prozent
- Automobil und Transport: elf Prozent
- Konsumgüter: zehn Prozent
Damit sind biobasierte Materialien längst in industriellen Kernmärkten angekommen.
Ausblick: Phase beschleunigten Wachstums
Der Markt für biobasierte Kunststoffe steht vor einer Phase beschleunigten Wachstums. Mit zweistelligen Zuwachsraten, neuen Kapazitäten in Europa und Nordamerika sowie wachsendem politischen Druck zur Defossilisierung wird sich der Anteil erneuerbarer Materialien in der Polymerindustrie weiter erhöhen. Der vollständige Report „Bio-based Building Blocks and Polymers - Global Capacities, Production and Trends 2025–2030“ steht beim Nova-Institut zum Download bereit.