Die Qualitätssicherung beim Spritzgießen von Medizinprodukten steht im Fokus neuer Software-Lösungen von Kistler. Aufbauend auf Rückmeldungen aus der Praxis wurden sowohl die Prozessüberwachungssoftware „ComoNeo 9.0“ als auch die Plattform „AkvisIO 9.0“ weiterentwickelt. Ziel ist es, die Bedienbarkeit zu verbessern und gleichzeitig mehr Möglichkeiten zur Standardisierung zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen Funktionen, die eine standortübergreifende Nutzung sowie eine effizientere Analyse von Produktionsdaten unterstützen.
Qualitätssicherung beim Spritzgießen durch zentrales Datenmanagement
Mit „AkvisIO 9.0“ wird das Produktionsdaten-Management erweitert. Ein individuell anpassbares Dashboard ermöglicht einen schnellen Überblick über alle angebundenen Prozessüberwachungssysteme. Produktions- und Qualitätsteams erkennen über eine Farbcodierung unmittelbar den Status einzelner Maschinen, die produzierte Qualität sowie die aktuelle Ausschussquote. Bei Abweichungen von definierten Qualitätsgrenzen erfolgt eine automatische Meldung. Anwender können direkt in die Produktionshistorie wechseln und dort Zeiträume flexibel auswählen. Diese Funktion unterstützt die gezielte Analyse von Fehlerursachen und erleichtert das Troubleshooting im laufenden Betrieb.
„Uns war wichtig, Spritzgießunternehmen nicht nur eine bessere Übersichtlichkeit zu bieten, sondern auch mehr Flexibilität, das Dashboard nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten und die Nutzung aktiv zu vereinfachen. Wer eine Auffälligkeit sieht, ist jetzt mit einem Klick mitten in der Ursachenanalyse. Das Dashboard ist damit der direkte Einstieg ins Troubleshooting. Das macht die Fehlerbehebung im realen Fertigungsalltag deutlich einfacher und schneller“, berichtet Martial Willimann, Product Manager Medical Products & Data Solutions bei Kistler.
Visualisierung unterstützt Qualitätssicherung beim Spritzgießen
Die Visualisierung wurde insbesondere für das Mehrkavitäten-Spritzgießen erweitert. In „AkvisIO 9.0“ lassen sich mehrere Produktionstrends überlagern und anhand von Farbcodierungen auswerten. Dadurch werden Unterschiede zwischen einzelnen Kavitäten schnell sichtbar. Vorkonfigurierte Trend-Presets ermöglichen einen schnellen Einstieg und können an spezifische Anforderungen angepasst werden. Zusätzlich bietet die Software eine Funktion zum Vergleich von Maschinen, die mit identischen Werkzeugen arbeiten. Dies erleichtert die Bewertung von Prozessunterschieden in vergleichbaren Produktionsumgebungen.
Die Nutzerführung wurde ebenfalls angepasst. Während Prozessingenieure gezielt bei der Fehlersuche unterstützt werden, stehen für das Qualitätsmanagement Funktionen zur Rückverfolgbarkeit und zum Reporting im Vordergrund. Zusammenhänge zwischen Prozessverläufen lassen sich dadurch schneller erkennen und nachvollziehen. „Alle Ansichten sind miteinander verknüpft, was es sehr einfach macht, Zusammenhänge zu sehen: Kommt beispielweise ein bestimmter Fehler immer wieder nach einer bestimmten Zykluszahl vor, kann ich das einfach feststellen und mit wenigen Klicks nachverfolgen, was zu diesem Zeitpunkt im Prozess passiert“, fasst Martial Willimann die neue Nutzerführung zusammen.
Prozessüberwachungssoftware für standardisierte Abläufe
Die Prozessüberwachungssoftware „ComoNeo 9.0“ unterstützt die Standardisierung von Prozessen über mehrere Standorte hinweg. Anwender können Vorlagen für Trends und Evaluationsobjekte zentral erstellen und auf unterschiedliche Systeme übertragen. Damit wird eine einheitliche Bewertung von Prozessen ermöglicht und die Rückverfolgbarkeit verbessert. Eine neue Balance-Ansicht zeigt relative Abweichungen zwischen Kavitäten direkt an. Dadurch werden selbst geringe Unterschiede im Prozess sichtbar. Ergänzend unterstützt „ComoNeoMULTIFLOW“ weiterhin die automatische Steuerung und Ausbalancierung beim Mehrkavitäten-Spritzgießen.
„Die Neuerungen für AkvisIO 9.0 und ComoNeo 9.0 basieren auf Anwenderwünschen, die insbesondere aus dem Bereich der Medizintechnik an uns herangetragen wurden. Profitieren werden aber alle Nutzer, egal aus welchem Bereich“, erklärt Daniel Kormann, Head of Business Center Medical bei Kistler. „Wir möchten mit der verbesserten Usability und den verschiedenen Möglichkeiten zur Individualisierung und Standardisierung gezielt auch neuen Anwendern einen einfachen Einstieg in unser System ermöglichen.“
Firmware-Management und Integration in bestehende Prozesse
Erstmals wird das Firmware-Management über „AkvisIO 9.0“ zentral gesteuert. Updates können geplant, auf einzelne oder mehrere Systeme verteilt und automatisiert durchgeführt werden. Dabei berücksichtigt die Plattform den Produktionsstatus und führt Aktualisierungen außerhalb aktiver Prozesse aus. Diese Funktion trägt dazu bei, Wartungsaufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Systemverfügbarkeit sicherzustellen.
Erweiterte Rechenleistung für datenbasierte Qualitätssicherung
Parallel zu den Software-Lösungen wird die Hardware der „ComoNeo“-Systeme weiterentwickelt. Ein leistungsstärkerer Prozessor verbessert die Verarbeitung von Daten, insbesondere bei Anwendungen mit vielen Kavitäten. Dies betrifft unter anderem die Darstellung von Druckverläufen sowie die Nutzung von Analysefunktionen und KI-Anwendungen wie „ComoNeoPREDICT“. Die neue Hardware unterstützt komplexe Anwendungen, ist jedoch nicht zwingend für den Einsatz der Software erforderlich. Zusätzlich kann das System über ein Extension Kit erweitert werden, um weitere Schnittstellen bereitzustellen.