Evonik ist mit einem stabileren Ergebnis als erwartet in das Geschäftsjahr 2026 gestartet. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, steigender Energiepreise und eines insgesamt schwachen Marktumfelds erreichte der Spezialchemiekonzern im ersten Quartal ein bereinigtes Ebitda von 475 Millionen Euro. Damit lag Evonik über der eigenen Prognose von rund 450 Millionen Euro. Insbesondere kurzfristige Bevorratungseffekte infolge der angespannten Lage im Nahen Osten sorgten zuletzt für zusätzlichen Rückenwind.
Der Umsatz von Evonik belief sich von Januar bis März 2026 auf 3,43 Milliarden Euro und lag damit neun Prozent unter dem Vorjahreswert. Mehr als die Hälfte des Rückgangs ist auf negative Währungseffekte zurückzuführen. Die Absatzmengen gingen um zwei Prozent zurück, die Verkaufspreise um ein Prozent. Das Konzernergebnis lag bei 125 Millionen Euro nach 233 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Advanced Technologies mit rückläufigem Ergebnis
Im Segment Advanced Technologies werden unter anderem Hochleistungskunststoffe, Wasserstoffperoxid, Vernetzungsmittel und Zusätze für Tierfutter hergestellt. Hier sank der Umsatz im ersten Quartal 2026 um neun Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Belastet wurde das Geschäft vor allem durch negative Wechselkurseffekte sowie leicht rückläufige Absatzmengen und Preise. Im Bereich Animal Nutrition entwickelten sich die Preise stabiler als erwartet, während höhere Absatzmengen teilweise kompensierend wirkten. Die Bereiche Inorganics und Organics verzeichneten dagegen schwächere Entwicklungen. Das bereinigte Ebitda des Segments ging um 17 Prozent auf 241 Millionen Euro zurück.
Custom Solutions spürt schwächere Nachfrage
Auch das Segment Custom Solutions, das maßgeschneiderte Additive für Beschichtungen, Polyurethanschaum, Schmierstoffe sowie Inhaltsstoffe für Kosmetik- und Reinigungsprodukte umfasst, entwickelte sich rückläufig. Der Umsatz sank im ersten Quartal 2026 um sieben Prozent auf 1,33 Milliarden Euro. Ausschlaggebend waren insbesondere negative Währungseffekte sowie niedrigere Absatzmengen. Im Bereich Additives blieb die Nachfrage nach Additiven für Polyurethanschäume und langlebige Konsumgüter leicht positiv. Auch Öladditive entwickelten sich stabil. Der Bereich Care konnte höhere Verkaufspreise nur teilweise gegen rückläufige Mengen und Währungseffekte ausgleichen. Das bereinigte Ebitda des Segments verringerte sich um zwölf Prozent auf 227 Millionen Euro.
Evonik erwartet stärkeres zweites Quartal
Die Entwicklung im Nahen Osten wirkt sich zunehmend auf Rohstoffpreise und Lieferketten aus. Gleichzeitig beobachtet Evonik in einzelnen Geschäftsbereichen höhere Bestellmengen. „Wirtschaftswachstum fußt auf freiem Warenverkehr“, erklärt Vorstandschef Christian Kullmann. „Der war durch Protektionismus bereits massiv eingeschränkt. Nun kommt im Nahen Osten noch ein Krieg hinzu, der ganze Seewege blockiert. Das ist ein zusätzliches Risiko.“
Für das zweite Quartal erwartet Evonik ein bereinigtes Ebitda von mindestens 550 Millionen Euro. Das Unternehmen geht davon aus, dass das zweite Quartal das stärkste Quartal des laufenden Geschäftsjahres werden könnte. In der zweiten Jahreshälfte rechnet der Konzern dagegen mit steigenden Belastungen durch Inflation sowie höhere Energie- und Rohstoffkosten. „Das erste Quartal war zwar nicht gut, aber es war besser, als wir erwartet hatten, vor allem zum Ende hin. Das gibt uns etwas mehr Zuversicht verglichen mit dem Jahresbeginn“, sagt Interims-CFO Claus Rettig, der bis Ende April die operativen Aufgaben im Finanzressort übernommen hatte.
Ausblick: Evonik hält an Prognose für 2026 fest
Trotz der volatilen Rahmenbedingungen bestätigt Evonik die Jahresprognose. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin ein bereinigtes Ebitda zwischen 1,7 und zwei Milliarden Euro. Zudem setzt Evonik das laufende Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ fort. Gemeinsam mit weiteren Optimierungsmaßnahmen sollen im laufenden Jahr insgesamt rund 1.000 Stellen wegfallen. Das Programm befindet sich im dritten und letzten Jahr der Umsetzung. Seit dem 01. Mai verantwortet Michael Rauch als neuer Finanzvorstand die Finanzen des Konzerns. Er folgt auf Claus Rettig, der sich künftig wieder vollständig auf seine Aufgaben als Präsident der Region Asien-Pazifik konzentriert.