Mit „ELASTOSIL LR 5471“ stellt Wacker vom 12. bis 16. Oktober auf der Fakuma 2026 einen neuen Siliconkautschuk für die Herstellung von Hart-Weich-Verbundbauteilen vor. Der selbsthaftende Flüssigsiliconkautschuk vernetzt zu einem Siliconelastomer mit niedrigem Flüchtigengehalt. Eine thermische Nachbehandlung der fertigen Bauteile ist nach Angaben des Herstellers nicht erforderlich. Dadurch eignet sich das Material unter anderem für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt sowie für Medizinprodukte und die Säuglingspflege.
Bei selbsthaftenden Flüssigsiliconkautschuken sorgen in das Siliconpolymer eingebrachte Haftvermittler für die Verbindung mit der Hartkomponente. Geeignete Thermoplaste oder Metalle können dadurch ohne vorherige Oberflächenbehandlung direkt mit dem Silicon überspritzt werden. Das Verfahren ist insbesondere für die Serienfertigung von Thermoplast-Siliconelastomer- und Metall-Siliconelastomer-Verbundbauteilen vorgesehen.
Siliconkautschuk erreicht hohe Haftung auf PBT und PET
Der Werkstoff haftet auf verschiedenen Metallen und thermoplastischen Kunststoffen. Bei internen Tests auf Polybutylenterephthalat, kurz PBT, ermittelte Wacker eine Haftung von 28 Newton pro Millimeter nach ISO 813. Auch auf Polyethylenterephthalat, kurz PET, erzielte das Material nach Angaben des Unternehmens vergleichbare Ergebnisse. Die selbsthaftenden Eigenschaften ermöglichen das direkte Umspritzen der Hartkomponente. Damit lässt sich die Herstellung von Verbundbauteilen ohne einen zusätzlichen Schritt zur Vorbehandlung der entsprechenden Oberflächen umsetzen.
Thermische Nachbehandlung des Siliconkautschuks entfällt
Standard-Flüssigsiliconkautschuke für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt sowie für Medizin- oder Babycare-Produkte müssen häufig nach dem Vernetzen mehrere Stunden im Temperofen behandelt werden. Bei „ELASTOSIL LR 5471“ entfällt dieser Prozessschritt. Möglich wird dies durch einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt während der Herstellung des Materials.
Messungen nach der Methode des Bundesinstituts für Risikobewertung an zwei Millimeter dicken Prüfplatten nach vier Stunden bei 200 Grad Celsius ergaben einen spezifizierten Flüchtigengehalt von weniger als 0,4 Prozent. Nach Angaben von Wacker entsprechen daraus gefertigte Endprodukte auch ohne thermische Nachbehandlung den einschlägigen BfR-Empfehlungen für Silicone sowie weiteren Regularien für Lebensmittelkontakt und Anwendungen in der Säuglingspflege.
Mechanische Eigenschaften für sensitive Anwendungen
Neben dem niedrigen Flüchtigengehalt wurden die mechanischen Eigenschaften des Materials auf den Einsatz ohne Temperprozess abgestimmt. Ungetemperte Vulkanisate erreichen eine Reißdehnung von 570 Prozent und eine Weiterreißfestigkeit von 38 Newton pro Millimeter nach ASTM D 624 B. Damit kommt der Siliconkautschuk für Anwendungen infrage, bei denen Elastizität und mechanische Belastbarkeit erforderlich sind. Wacker nennt als Beispiele Dichtungen und flexible Schaber für Kochgeschirr, Back- und Küchenutensilien sowie Auflagen für medizinische Masken und Therapiegeräte. Weitere mögliche Einsatzfelder sind Weichkomponenten für Schnuller und Babysauger.
Siliconkautschuk für Co-Molding und Großserien
Der additionsvernetzende Flüssigsiliconkautschuk besteht aus zwei Komponenten, die vor der Verarbeitung miteinander vermischt werden. Wacker bietet „ELASTOSIL LR 5471“ in den Härtegraden 40 und 50 Shore A an. Ausgelegt ist das Material insbesondere auf die Großserienfertigung umspritzter Thermoplast-Elastomer-Bauteile sowie auf Co-Molding-Verfahren. Die Kombination aus Selbsthaftung und entfallender thermischer Nachbehandlung reduziert dabei die Zahl der erforderlichen Prozessschritte. Sie finden Wacker auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen in Halle A6 am Stand A6-6212.