Beim Recycling von Kunststoffverpackungen beeinflusst die Entfernung von Druckfarben die Qualität des zurückgewonnenen Materials. Hier setzt „TEGO Res 1100“ von Evonik an. Das Co-Bindemittel für lösemittelbasierte Druckfarben soll den Deinking-Prozess unterstützen und lässt sich nach Angaben der Unternehmen in bestehende Druckfarbensysteme integrieren. Änderungen an den Verpackungsstrukturen oder Druckprozessen sind dafür nicht erforderlich. Constantia Flexibles untersuchte die Technologie in Tests mit unterschiedlichen Verbundstrukturen für flexible Verpackungen. Die gemeinsame Entwicklung läuft seit August 2024. Für den Ansatz erhalten beide Unternehmen den Deutschen Verpackungspreis 2026 in der Kategorie Nachhaltigkeit. Die Preisverleihung ist für November 2026 vorgesehen.
Materialqualität beim Recycling von Kunststoffverpackungen im Fokus
Eine möglichst weitgehende Entfernung der Druckfarben kann dazu beitragen, sauberere Rezyklate zu erzeugen und damit weitere Einsatzmöglichkeiten für das zurückgewonnene Material zu erschließen. Gleichzeitig bestehen insbesondere bei Anwendungen mit Lebensmittelkontakt weiterhin regulatorische und technische Anforderungen. Stefan Büttner, Vice President Head of CC Polymer Films and Functional Papers, R&D CC Polymer Films bei Constantia Flexibles, erklärt: „Wenn wir über Recycling sprechen, konzentriert sich ein großer Teil der Diskussion auf Sammlung und Sortierung. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Materialqualität. Eine bessere Entfernung von Druckfarben kann dazu beitragen, sauberere Rezyklate zu erzeugen und neue Einsatzmöglichkeiten für das Material zu schaffen.“ Er fügt hinzu:. „Anwendungen mit Lebensmittelkontakt sind derzeit noch nicht möglich und unterliegen weiterhin eigenen regulatorischen und technischen Anforderungen. Dennoch ist jeder Fortschritt bei der Materialqualität ein Schritt in die richtige Richtung. Umso mehr freut es uns, dass unsere gemeinsame Arbeit mit Evonik auf diesem Gebiet mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet wurde.“
Monomaterial-Laminat auf Polyethylenbasis dient als Testmaterial für das Deinking
Für die Wettbewerbseinreichung setzte Constantia Flexibles das Monomaterial-Laminat „EcoLamPlus“ auf Polyethylenbasis ein. Die Folie ist für Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Sauerstoff- und Wasserdampfbarriere ausgelegt und verfügt laut Unternehmen über einen H2R Prequalification Letter sowie eine APR Recognition. Im Versuch wurde „EcoLamPlus“ mit einer weißen Druckfarbe bedruckt, die „TEGO Res 1100“ enthält. Anschließend untersuchten die Projektpartner, wie sich der Ansatz auf die Entfernung der Druckfarbe beim mechanischen Recycling auswirkt. Nach Angaben der Unternehmen blieben dabei wesentliche Eigenschaften der Verpackung wie Bedruckbarkeit, Farbhaftung, Siegeleigenschaften und Abriebfestigkeit erhalten.
Deinking-Lösung ist für weitere Folien vorgesehen
Der Einsatz der Technologie ist nicht auf das für die Wettbewerbseinreichung verwendete „EcoLamPlus“ beschränkt. Nach Angaben der Unternehmen kommt sie auch für weitere recyclingfähige Folienlösungen infrage. Dazu gehören die Polyethylenstrukturen „EcoLam“ und „EcoLamHighPlus“ sowie die Polypropylenprodukte „EcoVer“, „EcoVerPlus“ und „EcoVerHighPlus“ aus dem Ecolutions-Portfolio von Constantia Flexibles. Damit adressiert die Entwicklung einen Prozessschritt, der beim Recycling von Kunststoffverpackungen nach der Sammlung und Sortierung relevant wird: die Aufbereitung bedruckter Folien für eine weitere stoffliche Nutzung.
Recycling von Kunststoffverpackungen erfordert Zusammenarbeit
Die Entwicklung verbindet Know-how aus Verpackungstechnik und Spezialchemie. Evonik steuert mit „TEGO Res 1100“ die Bindemitteltechnologie für die Druckfarbe bei, während Constantia Flexibles die Anwendung in flexiblen Verpackungsstrukturen untersucht. „Die effektive Entfernung von Druckfarben von Altverpackungen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft“, sagt Hendrik Rasch, der bei Evonik im Next-Markets-Programm für Circular Packaging and Plastics Recycling verantwortlich ist. „Das Projekt zeigt, wie enge Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette die Entwicklung und Einführung kreislauffähiger Verpackungslösungen beschleunigt.“
Die Ergebnisse zeigen damit einen Ansatz, um Druckfarben bereits bei der Gestaltung flexibler Verpackungen im Hinblick auf den späteren Recyclingprozess zu berücksichtigen. Entscheidend ist dabei nicht nur die grundsätzliche Recyclingfähigkeit der Folie, sondern auch die Qualität des Materials, das nach der Aufbereitung für eine weitere Nutzung zur Verfügung steht.