Kreislaufwirtschaft, Erdölprodukte und Kunststoffe
Neste investiert 111 Millionen Euro in großtechnische chemische Recyclinganlage in Finnland
Donnerstag, 19. März 2026
| Redaktion
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Die neue Anlage von Neste zur Aufbereitung von verflüssigtem Kunststoffabfall zu hochwertigen petrochemischen Rohstoffen befindet sich in der bestehenden Raffinerie des Unternehmens in Porvoo, Finnland.
Die neue Anlage von Neste zur Aufbereitung von verflüssigtem Kunststoffabfall zu hochwertigen petrochemischen Rohstoffen befindet sich in der bestehenden Raffinerie des Unternehmens in Porvoo, Finnland, Bild: Neste

Neste hat an seinem Raffineriestandort Porvoo in Finnland eine neue Anlage zur Aufbereitung von verflüssigten Kunststoffabfällen in Betrieb genommen. Mit dieser Investition in Höhe von 111 Millionen Euro treibt das Unternehmen die industrielle Skalierung des chemischen Recyclings voran und stärkt die Versorgung mit hochwertigen Rohstoffen für die Kunststoff- und Chemieindustrie. Die Anlage verfügt über eine Verarbeitungskapazität von bis zu 150.000 Tonnen pro Jahr und gilt als die derzeit größte Anlage zur Aufbereitung von verflüssigten Kunststoffabfällen weltweit. Die Produktion wird schrittweise hochgefahren und an Markt- sowie regulatorische Entwicklungen angepasst.

Neste baut chemisches Recycling im industriellen Maßstab aus

Mit der neuen Anlage erweitert Neste seine Möglichkeiten, verflüssigte Kunststoffabfälle großtechnisch zu verarbeiten. Dabei werden unter anderem Pyrolyseöle so aufbereitet, dass sie den Anforderungen der petrochemischen Industrie entsprechen. Jori Sahlsten, Executive Vice President für Oil Products bei Neste erklärt, die erfolgreiche Inbetriebnahme zeige, dass sich verflüssigte Kunststoffabfälle im industriellen Maßstab verarbeiten lassen. Dies belege die Fähigkeit von Neste, fortschrittliche Technologien zu entwickeln, Sicherheitsstandards zu setzen und neue Lieferketten für anspruchsvolle Rohstoffe aufzubauen. Gleichzeitig würdigte er die Leistung der Partner und Mitarbeitenden, die maßgeblich zur Umsetzung beigetragen hätten.

Seit 2020 verarbeitet Neste bereits verflüssigte Kunststoffabfälle. Der Bau der neuen Anlage begann 2023 und wurde Ende 2025 abgeschlossen. Die Produktionsaufnahme startete 2026.

Qualitätssteigerung für recycelte Rohstoffe

Ein zentrales Ziel der Investition besteht darin, die Qualität von Rohstoffen aus schwer recycelbaren Kunststoffabfällen zu verbessern. Mechanisches Recycling stößt insbesondere bei gemischten, verunreinigten oder mehrschichtigen Kunststoffen an Grenzen. Die neue Anlage wurde speziell dafür ausgelegt, solche Ausgangsstoffe aufzubereiten und in hochwertige Einsatzstoffe umzuwandeln. Damit können Materialien genutzt werden, die bislang überwiegend verbrannt oder deponiert wurden.

Maiju Helin betont, dass die Anlage die Skalierung des chemischen Recyclings ermögliche, indem auch Kunststoffabfälle aus minderwertigen Stoffströmen aufbereitet würden. Diese seien für das mechanische Recycling ungeeignet und würden ansonsten verbrannt oder deponiert. Durch die Aufbereitung könnten auch schwer recycelbare Kunststoffe die Qualitätsanforderungen für hochwertige Anwendungen erfüllen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass aktuelle Berechnungsregeln der Europäischen Kommission zur Anrechnung von Rezyklatanteilen die Rolle von Raffinerien einschränken könnten und daher angepasst werden müssten.

Integration in bestehende Raffineriestrukturen

Die neue Anlage ist in die bestehende Raffinerie integriert. Verflüssigte Kunststoffabfälle werden gemeinsam mit Rohöl verarbeitet, wobei ein Massenbilanzansatz zur Anwendung kommt. Auf dieser Basis werden recycelte Rohstoffanteile Produkten wie „Neste RE“ zugeordnet. Dieser Ansatz ermöglicht es, die erzeugten Materialien ohne Anpassungen in bestehenden petrochemischen Prozessen einzusetzen.

Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Emissionsreduktion

Lebenszyklusanalysen zeigen, dass der Einsatz recycelter Rohstoffe die Umweltbelastung deutlich reduzieren kann. Im Vergleich zur Verbrennung lassen sich sowohl der Verbrauch fossiler Ressourcen als auch die Treibhausgasemissionen signifikant senken. Darüber hinaus arbeitet Neste gemeinsam mit Partnern wie Alterra und Technip Energies an der Lizenzierung von Technologien zur Verflüssigung von Kunststoffabfällen, um die Kreislaufwirtschaft weiter auszubauen.

Mit der neuen Anlage stärkt Neste seine Position im Bereich des chemischen Recyclings und zeigt, wie sich industrielle Prozesse für die Nutzung komplexer Abfallströme weiterentwickeln lassen. Die Investition leistet einen Beitrag zur Etablierung geschlossener Stoffkreisläufe und zur Bereitstellung hochwertiger Recyclingrohstoffe.

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